Consrader Chronik

Diese Chronik wurde in ausführlicher Form im "Banzkower Amtsboten" von der Famlilie von Stenglin veröffentlicht und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!

Die erste Erwähnung Consrades stammt aus der Zeit der Christianisierung. 1260 schrieb sich der Ortsname "Conradesrothe". Es gab einige Varianten, wie sich Consrade im Laufe der Geschichte schrieb. Hier ein paar Beispiele:

  • 1371 Cordesrote

  • 1534 Churfzrade

  • 1541 Cufrade

  • 1596 Consrode

  • 1603 Curfzrade

  • 1730 Kuysrade

  • seit 1751 Consrade

  • Kirche nach der Renovierung 1831Seit dem 13. Jahrhundert gehörte das Dorf Consrade einem Zisterzienserkloster Reinfeld in Holstein. Das blieb bis 1553 so. Um die gleiche Zeit (1534) wurde auch die kleine Kirche in einem Kirchenvisitationsprotokoll erwähnt, damals schon als Tochterkirche der Mutterkirche zu Plate. Da schon damals gespart werden mußte, konnte sich das kleine Dorf keine große Kirche leisten. Daher wurde auch kein Kirchturm gebaut, sondern nur der freistehende Glockenstuhl.

    1780 war die Kirche baufällig und sollte wegen Geldmangel abgerissen, statt renoviert zu werden. Erst 1831 war man in der Lage die Renovierung durchzuführen. Das Ergebnis ist auf nebenstehendem Bild zu sehen. In diesem Zustand war die Kirche bis 1968. Dann wurde die Kirche sehr umfangreich ausgebessert. Es wurden nicht nur der Dachstuhl und das Dach erneuert, sondern auch Fenster, Türen Fußboden und vieles mehr. Die Orgel ist aber immer noch mit einem Blasebalg angetrieben, der mit einem Fußpedal in Gang gesetzt wird. Zur gleichen Zeit entstand auch der Anbau an der Südseite der Kirche. Dort ist der Gemeinderaum untergebracht.

    Der Glockenstuhl enthält nur eine Glocke. Sie ist sehr alt (von 1543). Der Platz reicht aber für zwei. Die zweite Glocke (aus dem Jahr 1874) wurde im 1916 im ersten Weltkrieg eingeschmolzen. Das Dach des Glockenstuhls wurde 1995 von der Gemeindemitgliedern erneuert.

    Im Jahre 1753 begann mit einer Verordnung die Ansiedlung von Büdnern um der Landflucht der grundbesitzlosen, leibeigenen Landbevölkerung zu begegnen. Der Büdner war ein mecklenburgischer Kleinbauer, dr in den Anfängen nur eine "Bude", etwas Gartenland und Weiderecht besaß. Im Laufe des 19. Jahrhunderts hatte er die Möglichkeit, seine Wirtschaftsfläche bis zu 5 ha zu vergrößern. 1830 wurde der Meierhof aufgeteilt. Der vorhandene Wald und ein großer Teil des Torfmoores gehörten zur herzoglichen Forst. Die Bezeichnung der Büdnereien begann an der Grenze zu Mueß mit B I und wurde bis zu B XVII an der Plater Scheide durchgezählt, wobei sich die Nummerierung nach der Reihenfolge des Verkaufs richtete. 1875 entstanden 5 weitere Büdnerstellen. 1846 wurde per Verordnung erlaubt, "eigentümliche" Häuser zubauen. Damit sind die sogenannten Häuslereien gemeint. Für das Jahr 1865 sind in Consrade 5 Häuslereien belegt.
    Consrader Torfmoor

    Das Torfmoor war damals die wichtigste Energiequelle für Consrade. Der Brennstoff wurde aber auch mit Kähnen nach Schwerin befördert und zumAnlegeplatz mit Blick auf Schule und Kirchhof Beispiel im Schloß verheizt. Stromaufwärts wurden die Kähne auf dem jetzt wieder hergestellten Treidelpfad gezogen. Beladen wurde in Stichkanälen, die von der Stör in die Wiesen gingen. Um diese Stichgräben lagerten die Torfsoden, um dann auf die Kähne verbracht zu werden. Die Stichgräben waren noch bis zur Melioration in den 60er Jahren vorhanden. Allerdings waren sie inzwischen so zugewuchert, das sie nicht mehr schiffbar waren.

    Die ausgetorften Flächen mußten mit Sand eingeebnet werden. Die dazu benötigten Mengen wurden vom Hang des westlichen Störtales abgebaut. Wenn man heute die Hofplätze auf der westlichen Seite des Dorfes betrachten, kann man davon ausgehen, daß sie fast alle durch den Kiesabbau entstanden sind. Etwa 1880 war abzusehen, daß das Torfmoor  bald erschöpft sein würde. Um diese Zeit wurden die bis dahin landwirtschaftlich genutzten Hänge aufgeforstet, um rechtzeitig für ausreichend Feuerholz zu sorgen.

     Die Ereignisse der beiden Weltkriege haben auch in Consrade ihre Spuren hinterlassen. Wie schon weiter oben erwähnt, wurde die eine Glocke während des ersten Weltkrieges eingeschmolzen. Ein Gedenkstein mit den Gefallenen aus diesem Krieg steht auf dem Friedhof.

    Während des zweiten Weltkrieges hat Consrade glücklicherweise keine Kampfhandlungen erlebt. Aber die Folgen des Krieges waren auch hier zu spüren. So waren viele ausgebombte Flüchtlinge hierher geflohen. Selbst in der Schule waren viele Menschen untergekommen. Aus einem Schreiben des Bürgermeisters an das Landratsamt vom 27.12.1945 erfahren wir, daß von etwa 450 Flüchtlingen die Rede ist - Consrade hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 280 Einwohner. Die Stör war sogar eine Zeit lang zum Grenzfluß geworden, diesseits waren die Amerikaner und Engländer und auf der anderen Seite die Russen. Am 06.09.1946 kehrte ein Stück Normalität ins Dorf zurück: die erste Tanzveranstaltung nach dem Krieg fand statt.